© Dr. med. Rainer Klügel 2011
Orthopädie, Osteologie, Physikalische Therapie,  Rheumatologie, Chirotherapie, Sportmedizin Dr. med. Rainer Klügel Praxis für Orthopädie Martin-Heyden-Straße 15 52511 Geilenkirchen Tel.: 0 24 51 - 80 23
Sie ist immer noch ein Thema für Presse, Rundfunkstationen und Fernsehsender: Die “elektronische Gesundheitskarte” (eGK) wurde trotz massiver Proteste von Datenschützern, Ärzten, Zahnärzten und Patientenvertretern im Alleingang von unserer Bundesregierung eingeführt. Die “elektronische Gesundheitskarte” löst die alte Krankenversicherungskarte von rund 80 Millionen Deutschen ab. Sie enthält im Gegensatz zur alten Karte einen Chip, auf dem einige persönliche Daten gespeichert werden können. Mit der Einführung dieser Karte geht jedoch zusätzlich die Einrichtung einer komplexen Telematikinfrastruktur einher, denn hierdurch erst werden die Neuerungen durch diese Karte nutzbar. Das bedeutet, dass überall dort, wo die Karte vorgelegt und eingelesen werden soll, ein Online-Anschluß existieren soll, über den ein Datenabgleich mit zentralen Servern erfolgen soll (auf denen also Ihre ganzen Daten auch abgespeichert sind) und auch sonstige Patienten- daten (”elektronische Patientenakte”) abgerufen werden können.
01.10.2011 Elektronische Gesundheitskarte
Dies alles ist zwar noch Zukunftsmusik, denn augenblicklich kann die eGK nicht mehr, als die alte Krankenversicherungskarte auch. Sie unter- scheidet sich rein äußerlich von der alten Karte im Wesentlichen durch das Foto des Karteninhabers, das auf die Karte gedruckt wird. Und hier fägt das Problem der “elektronischen Gesundheitskarte” bereits an: Sie werden von Ihren Krankenkassen aufgefordert, ein Foto für die eGK einzuschicken, mit welchem nachgewiesen werden soll, dass Sie der Karteninhaber sind. Kein Mensch kontrolliert jedoch, ob Sie tatsächlich ein Foto von sich einschicken oder vielleicht eins von Ihrem Nachbarn oder von Ihrer verstorbenen Großmutter. Hier ist also bereits dem Miss- brauch Tür und Tor geöffnet. Außerdem ist mehr als fraglich, ob der Online-Datenaustausch über den zentralen Server, der bei jedem (!) Ein- lesen der eGK zum Beispiel in der Arztpraxis ablaufen soll, und der Datentransfer der elektronischen Patientenakte die hohen Anforderungen an den Datenschutz erfüllt, die von Patienten und uns Ärzten gleichermaßen berechtigterweise gefordert werden
In einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche mit nichts besser umgehen können, als mit Computern, in einer Zeit, in der Datenlecks bei Banken und Sparkassen, in Rüstungsfirmen, Militärstützpunkten und Großunternehmen und - wie groß in der Zeitung zu lesen war - in einer großen Tiroler Krankenkasse, bei dem 600.000 Datensätze “verloren” gegangen sein sollen, zum traurigen Alltag gehören, in einer Zeit, in der selbst sensible Daten des Pentagon auf wundersame Weise nach “draußen” gelangen, in einer Zeit, in der Computer-Hacker sich selbst überbieten im Eindringen in “geheime” oder “persönliche” “geschützte” Daten, in einer solchen Zeit soll der “gläserne Patient” mit unvorstellbarem finanziellem Aufwand (von bis zu 14 Milliarden Euro ist die Rede) verwirklicht werden. Hier bleibt die Patientenautonomie eindeutig auf der Strecke. Die ärztliche Schweigepflicht wird durch die “elektronische Gesundheitskarte” de facto ausgehebelt, denn Krankenkassen und andere “Zugriffsberechtigte” haben damit Zugang z.B. zu ärztlichen Verordnungen und könnten so Rückschlüsse auf die Diagnosen ziehen. Der medizinische Nutzen der eGK ist nicht erkennbar, denn vieles von dem, was uns mit der Einführung der “elektronischen Gesundheits-karte” versprochen wurde, wird nicht verwirklicht. Es gibt andere moderne Kommunikationsmöglichkeiten, die wesentlich preiswerter sind und zudem Ihnen als Patient die Hoheit über Ihre Daten sichern und die ärztliche Schweigepflicht nicht untergraben. Als ein “gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm für bestimmte Zweige der IT-Industrie” bezeichnet der stellvertretende Vorsitzende der Verbraucherkommission Baden-Württemberg, Christoph Fasel, die “elektronische Gesundheitskarte”. Besonders besorgt zeigt sich der Medienwissenschaftler über die geplante zentrale Speicherung von Patientendaten. “Sobald Sie einen solchen Datenpool auf wie immer gearteten vernetzten Servern lagern, und eben nicht de-zentral bei den Ärzten auf ihrem Praxiscomputer, entstehen Begehrlichkeiten. Und zwar bei all denen, die an diesen Daten hohes wirtschaftliches Interesse haben”, betont Fasel. Eine zentrale Datenhaltung sei in keiner Weise mit den Datenschutzbestimmungen und den Sicherheitsbedürfnissen der Versicherten zu vereinbaren. Wir weisen unser Patienten schon seit langem darauf hin, dass wir in unserer Praxis keine “gläsernen Patienten” haben wollen, dass für uns die Privatsphäre jedes Einzelnen schützenswert ist und dass wir die Patientenautonomie erhalten wollen. Jeder soll selbst bestimmen, wem er seine persönlichen Daten zum Lesen gibt und wem nicht.
In unserer Praxis wird es auch in Zukunft keinen Online-Abgleich Ihrer persönlichen Daten geben! Wir lassen uns nicht bestechen von Bundesregierung und Kassenärztlicher Vereinigung (KV), um deren Prestige-Objekt auf die Sprünge zu helfen. Bitte behalten Sie Ihr altes “Kärtchen” so lange es gültig ist und legen Sie es uns bei jedem Besuch in unserer Praxis vor.
Wenn Sie nicht “gläsern” werden wollen, wenn Sie keine “elektronische Gesundheitskarte” haben wollen, dann schicken Sie Ihrer Krankenkasse kein Foto von sich, denn solange Sie über eine gültige (alte) Versicherungskarte verfügen, gibt es gar keinen Grund dazu! Und wer weiß, was unseren Politikern einfällt, wenn nach den nächsten Wahlen die politischen Regierungsfarben neu gemischt sind... Glauben Sie uns bitte, dass wir in echter Sorge um die Entwicklungen in unserem Land sind! Ihr Dr. Rainer Klügel und Team
KEIN ONLINE-ABGLEICH IHRER PERSÖNLICHEN DATEN IN UNSERER PRAXIS!